Hackschnitzelharvester - der 1. Prototyp


Der 1. Prototyp eines Hackschnitzelharvester mit dem Ziel, mehrere Arbeitsgänge zu vereinen, um dadurch rationeller arbeiten zu können und Waldschneisen so wenig wie nötig zu befahren. Diese Maschine lief vom Januar bis November 1995 im Land Sachsen-Anhalt.

Bis auf die üblichen Problemchen lief der Start eigentlich ganz gut. Leistung pro Tag waren etwa 6 Container Hackschnitzel a 40 kubik bei 10 Maschinenstunden. Spitzenleistung waren 10 solcher Container in gleicher Arbeitszeit. Diese Arbeitsleistung resultiert aus reiner Durchforstungsarbeit in Kieferbeständen mit einem durchschnittlichem BHD (Brusthöhendurchmesser) von etwa 14-16 cm und gleichzeitiger Produktion von Sägeholzabschnitten (zusätzlich etwa 25-30 Festmeter/Tag).

Die Kranreichweite des Mowi-Parallelkranes betrug 9,75 m. Dieser Kran war ursprünglich 11,50 m lang, musste jedoch gekürzt werden, weil er sich in Straßenfahrtstellung (siehe Bildergalerie - Tiefladerfoto) nicht zusammenklappen liess. Der Kran hatte am oberen Befestigungspunkt noch einen extra Schwenkbereich von je 25°. Dadurch liess er sich in diesem Bereich sehr genau und leicht per Joystick steuern. Das Schwenken des Oberwagens erfolgte über Fussschalter. Durch diesen extra Schwenkbereich war es möglich, auch hinter die Maschine zu greifen.

 

Das Harvesteraggregat war ein SP 450  von SP Maskiner Norr Ab /Schweden. Es galt zum Planungszeitpunkt als eines der besten in dieser Klasse.

Gesamtgewicht des 1. Prototyps: leer 24,3 to,

Dieselverbrauch: ca. 20-25 l pro Arbeitsstunde inklusive Fahren zur Waldstrasse zum Entleeren des Hackschnitzelcontainers.

 

Nach der Umstellung des Hydrauliksystems auf ein vollsynthetisches Bioöl auf Estherbasis gab es einen Anstieg der Hydrauliköltemperatur von vorher 60°C auf 95°C (volle Arbeitstemperatur) und mehr. Diese Temperaturprobleme konnten nie wieder beseitigt werden und führten dazu, das im Laufe des Sommers immer mehr Schäden am Hydrauliksystem entstanden (mangelnde Selbstschmierung an 2 Hydraulikpumpen nach 800 Arbeitsstunden, Zylinderdichtsätze, insbesondere die kleinen am Fällkopf, mussten 14-tägig gewechselt werden).

Dazu kamen noch konstruktive Mängel am Fahrgestell, was u.a. zum Bruch des Mittelgelenks führte. Durch die Modulbauweise des Rahmens konnte es zwar mit wenig Aufwand im Freien mit dem Shuttle-Kran innerhalb eines Tages gewechselt werden, die Lieferzeit des Bauteils verzögerte sich aber auf zwei Wochen, weil in Schweden die allgemeinen Ferien gerad begonnen hatte und kein Monteur verfügbar war.
Weiterhin soll erwähnt werden, das für diesen Harvester nach Fertigstellung zusätzlich etwa 6 Tonnen Extragewichte am hinteren Ende des Schwenkrahmens montiert wurden, um die Maschine auszubalancieren. Ausschlaggebend war hauptsächlich der vorn links oben angebrachte Kran, der dann beim Ausfahren die Maschine zum Kippen brachte, wenn sich diese in einer Kurvenfahrt befand.
Nach Bruch eines Flügels vom Lüfterrad wurde beim Vorgängermodell (ÖSA 260 mit Scania 400 PS-Industriemotor) von einer Kühlerwerkstatt in Potsdam ein neuer Kühler gefertigt. Dieser hatte größere Löcher zwischen den Kühlrippen, was die Kühlleistung im Vergleich zum Original-Scania-Kühler um 100% erhöhte, da superkleine Holzsplitter nicht mehr in den Lamellen hängenblieben, sondern durch gesogen wurden. Warum man mit diesen Erfahrungen dennocch wieder einen engmaschigen Kühler im 1. Prototyp verbaute, hab ich nie verstanden. Kühlwasser-technisch gab es zwar keine Probleme, wenn man immer aufgepasst hat, aber allein das wöchentliche Ausblasen hat stets zwei Stunden und mehr gedauert. An der Ösa 260 war das in 10 Minuten erledigt, dank Wendelüfter und grossmaschigem Kühler. 

Die Maschine wurde im Dezember 1995 im Forstamt Nedlitz zusammen mit 2 anderen Maschinen (ein neu aufgebauter Forwarder, ein Valmet-Spänetransporter) durch Brandstiftung total zerstört.